Der freche Flüchtlingskönig

Hallo, ich bin die kleine Erna. Ich gehe schon zur Schule und darf jeden Tag alleine mit dem Bus da hin fahren.

Heute morgen haben sich auf den Plätzen vor mir zwei ältere Damen unterhalten. Ja, ich weiß, man soll nicht den Gesprächen anderer Leute lauschen. das sagt Mama immer. Ich hab es trotzdem gehört.

Sie haben über einen Jungen gesprochen, der ganz unartig ist. Na eigentlich ist er ja schon ein Mann, die haben gesagt, er ist 21 Jahre alt. Sie sagen, er sei einer von diesen Flüchtlingen. In der Schule haben wir gelernt, daß das ganz arme Menschen sind, die vor Krieg und Hunger zu uns flüchten, weil es hier Frieden gibt und Essen und Wohnungen.

Ich habe gehört, daß sie gesagt haben, der ist nicht artig. Er hat schon ganz viel Schimpfe von der Polizei bekommen. Also ich hätte da Angst, wenn die Polizei mit mir schimpft. Der hat aber anscheinend keine Angst, wenn er sich immer wieder schimpfen lässt. Die zwei alten Damen haben gesagt, der ist ganz frech und macht immer mit anderen Krawall in eier Stadt, die heißt Bautzen. Einen komischen Namen hat der auch – King Abode, haben die Damen gesagt. King ist Englisch und heißt König. ich hab Englisch in der Schule, deshalb weiß ich das. Die Könige in den Märchen machen aber keinen Krawall. Die sorgen immer für ihr Volk. Ein komischer König, dieser Abode Flüchtlingskönig.

Nun ist es aber so, wenn ich frech bin zu Mama oder der Lehrerin, dann bekomme ich Schimpfe und muß versprechen das nicht noch mal zu machen. Ich merke mir das immer und mache es nicht wieder, denn mein großer Bruder, der bekommt oft eine Strafe, weil er so frech ist und der macht das auch immer wieder, so wie dieser König.

Warum darf dieser Flüchtlingskönig immer wieder so frech sein, sogar zur Polizei? Meine Mama sagt immer, wenn man oft frech ist und immer Ärger macht, dann kommt die Polizei und steckt den ins Gefängnis. Aber der komische König da in Bautzen, der kommt doch gar nicht ins Gefängnis. Ist das weil er ein König ist und so ein Flüchtling?

Also ich wäre ja froh, wenn ich so ein Flüchtling wäre, wie wir in der Schule gelernt haben, wenn ich von so netten Leuten was zu Essen bekäme und ein Bett. Ich würde mich da ja ganz artig bedanken, wie ich es von Mama gelernt habe und mich nicht trauen frech zu sein.

Eure Erna

 

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